Biografie aus unserer ganzheitlichen Sicht ist vor allem das, was im Leib des Menschen eingeschrieben wurde und wird, was ihn geformt hat und weiter formt, was ihn in-formiert, das sind die Wahrnehmung seiner Umwelt und seine eigenen Vorstellungen. (Vergleiche: Der "informierte Leib", Petzold 1993-2003, S.1051).
Die
Gehirnforscher können heute im
Großhirn das Areal für unser autobiografisches
Gedächtnis orten. Wir speichern dort unsere
Erlebnisse mit
den Eltern, Geschwistern und anderen nahe stehenden Personen. Durch
ständige Wiederholung, das autobiografische Memorieren,
prägen
wir uns davon ein, was für uns wichtig ist. Die "Stories"
werden im Leibgedächtnis fest gespeichert. Die wahre
Biografie
steht nicht auf Papier, sondern in den Verknüpfungen
der
Nervenzellen im autobiografischen Gedächtnis. Die
Biografie
ist im informierten menschlichen Leib eingeschrieben.
Diese Aussage stimmt mit den Aussagen der heutigen Neurobiologen überein, die mit aufwändigen Apparaten die Funktionen des Gehirns immer genauer erforschen. "Das deklarative Gedächtnis wird im Anschluss an den estnisch-amerikanischen Gedächtnisforscher Endel Tulving weiter unterteilt in ein episodisches Gedächtnis und ein Wissens- bzw. Faktengedächtnis. Ersteres umfasst das 'Erinnern" im eigentlichen Sinne (remembering). Es beinhaltet das autobiografische Gedächtnis und bezieht sich auf inhaltlich, räumlich und zeitlich konkrete Erlebnisse mit Bezug auf die eigene Person und Schicksale von Personen, die mit dem eigenen Schicksal verbunden sind. Es befasst sich mit dem räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Kontext von Gedächtnisinhalten und wird deshalb auch Kontextgedächtnis genannt. Es schließt das Quellengedächtnis mit ein, d.h. das Wissen darüber, wann, wo, wie und von wem man etwas erfahren hat." (Gerhard Roth 2001, S.152)>
Die Biografie ist also gespeichert im autobiografischen Gedächtnis, sie entsteht durch die Selbstidentifikationen des Menschen, die Reaktionen, Aussagen, Wertungen, Stories, durch die er sich im sozialen Umfeld kennzeichnet. Das Streben nach Identität kann bei Erfolg einen Menschen zufrieden machen. Bei Verweigerung der Identität durch die soziale Umwelt können Personen verzweifelt reagieren, immer wieder das Gleiche erzählen, sich statt besonders tüchtig oder verlässlich besonders auffällig oder aggressiv benehmen usw.
Die Biografie ist die Aufzeichnung der subjektiv erlebten Lebensgeschichte. Wird einem Menschen seine Lebensgeschichte genommen durch Einschränkungen der Gedächtnisleistung oder eine verständnislose soziale Umwelt, so wird er ein Lebewesen ohne Geschichte. Er weiß nicht mehr, wer er ist, wohin und zu wem er gehört. Er wird für die Umgebung auffällig dement. Biografisches Arbeiten ist dringend nötig!